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Das Selbstexperiment – eine Woche komplett handyfrei

Hallo und willkommen in der kalten Jahreszeit liebe Handyfrei-Community! In meinem letzten Artikel habe ich eine große Ankündigung gemacht, die recht spontan entstand – ich wollte das Selbstexperiment wagen und eine Woche lang auf mein Handy verzichten. Wer so etwas groß ankündigt, der sollte natürlich auch sein Wort halten. Das Selbstexperiment ist nun zwei Woche her und ich möchte euch in diesem Artikel gerne davon berichten, wie es ablief, was ich vermisst habe, was sich seitdem verändert hat und natürlich einen Einblick geben, ob ich eventuell jetzt sogar komplett handyfrei leben möchte.

Die Vorbereitungen

Bevor ich anfangen konnte, musste ich mir einige Fragen stellen.

  • An welchem Wochentag beginne ich?
  • Wem muss ich von dem Experiment berichten?
  • Lege ich das Handy nur weg, oder schließe ich es bei einem Freund ein?

Nach kurzem Gedanken-Hin-und-Her war mir klar: hör auf darüber nachzudenken – fang an und ab dafür! Es ging dann, um die zuvor gestellten Fragen kurz zu beantworten, an einem Sonntag los, berichtet habe ich es nur meiner Freundin, meinen Eltern und meinen engsten Geschäftspartnern. Mein Mitbewohner übernahm das Versteckspiel mit großer Freude und grinste mich nur an, versteckte das Handy – und es ging los!

 

Wie es mir während des Experimentes ging

Da ich kein Tagebuch führe und die einzelnen Gefühle nicht mehr den einzelnen Tagen zuordnen kann, teile ich das Erlebte einmal in drei Zeitabschnitte ein;
Anfang – Mitte – Ende. Ganz klassisch, wie in der Schule.

 

Der Anfang

Ungewohnte Gefühle überkamen mich zu Beginn des Experiments. Nachdem ich mich mehrfach fragte, wer jetzt wohl eine Antwort von mir erwartet, welche Gruppen gerade am intensivsten am Schreiben sind und, ob ich wohl wichtige Informationen in den Uni-Gruppen verpassen würde, gab es einen Moment, in dem ich darüber nachdachte, wie das Handy uns und unser Leben verändert hat. Wie hat das mein Papa früher bloß gemacht, wenn er mit seinen Freunden sprechen wollte? Wie konnten sich die Studenten denn damals bloß über Hausarbeiten austauschen?

Natürlich übertreibe ich gerade – ich bin selbst erst in der 7. Klasse mit einem Handy in Verbindung gekommen (Shoutout to Snake) und weiß durchaus noch, dass nicht alles schlecht war –  damals.

 

Die Mitte

Das mulmige Gefühl, welches am Anfang des Experiments noch zu spüren war, verflog recht schnell. Die Realität, dass ich meine Freunde mit dem Haustelefon anrufen oder die Kommilitonen in der Uni nach Tipps fragen konnte, kam schnell zurück. Ich begann meine “Freizeit” für das Lesen zu nutzen – und das tat ziemlich gut! Wie viel Zeit könnten wir wohl effektiver nutzen, wenn wir nicht ständig auf Instagram oder Facebook nach den neuesten Katzenvideos suchen würden? (Diese Frage ist rhetorisch – Antwort: ziemlich viel!).

Es gab jedoch auch Momente, in denen ich mich immer mal ertappt habe und auf das Handy schauen wollte oder reflexartig nach der Hosentasche griff. Ob auf dem Weg zur Universität in der U-Bahn, in der Frühstückspause, direkt nach dem Aufwachen oder während der Werbung im TV – in so manchen Situationen ist der Versuch nach dem Greifen des Handys groß!

 

Das Ende

Zum Ende der Woche bemerkte ich ein kleines, aber entscheidendes Manko an der handyfreien Lebensweise: die Wochenendplanung meiner Jungs fand ohne mich statt!
Um herauszufinden, was wir vorhaben würden, ging es back to the roots – das Haustelefon war die Lösung. Wisst ihr noch die Telefonnummer eurer besten Freunde auswendig? Früher, als wir die ersten Handys (nicht Smartphones) besaßen, konnte ich (fast) alle Nummern auswendig. Heute leider nicht mehr. Generell spürte ich zum Ende hin, dass die Sehnsucht nach dem Handy deutlich geringer war, als ich es gedacht hatte. Und trotzdem entwickelte sich auch ein schönes Gefühl der Vorfreude, den kleinen Freund wieder in die Hand zu nehmen. Ja, die Doppeldeutigkeit ist mir bewusst.

 

Was ich vermisst habe

Vermissen ist wohl das falsche Wort, denn unter vermissen verstehe ich das Gefühl etwas oder jemanden nicht bei mir haben zu können. Doch das war nicht der Fall, denn es gab ja Alternativen. Statt der Nachrichten-App wurde wieder zur Zeitung gegriffen, Telefonate ersetzten Whatsapp und die Uhrzeit fand ich, erstaunlicherweise, auch auf normalen Uhren.

 

Was sich seitdem verändert hat

Wie eingangs erwähnt, ist der Versuch nun zwei Wochen her. Ich würde behaupten, dass 90 Prozent der Handynutzung wieder “back to normal” ist.  Die Lust am Lesen ist weiterhin erhöht und das tut mir sehr gut! Während der Uni-Aufgaben probiere ich den Fokus nicht mehr durch das Handy zu verlieren, denn ich weiß ja nun, dass ich keinen Schaden davon trage, dass die Nachrichten mal unbeantwortet bleiben.

 

Ein Fazit und ein Ausblick

Ich habe mal wieder gemerkt, dass das Handy sowohl Fluch als auch Segen ist. Natürlich war es ungewohnt das Handy eine Woche lang nicht zu benutzen und in einigen Situationen hätte ich es mir gerne bei mir gewünscht. Doch alles in allem ist das Leben ohne Handy nicht weniger aufregend, nicht weniger lebenswert und die interpersonellen Beziehungen werden auch nicht schlechter – im Gegenteil: telefonieren macht doch eh viel mehr Spaß!

 

Zum Schluss hier noch meine Antwort auf die Frage, ob ich jetzt dauerhaft handyfrei leben möchte. Nein, das möchte ich nicht, denn das Handy erleichtert uns in vielen Situationen das Leben.
Und doch möchte ich weiterhin die Botschaft senden, dass dieser Segen des Handys nur solange Segen bleibt, wie wir die Fluch-Situationen ausblenden. Es wird uns niemand in den Hals beißen, weil wir bei Whatsapp nicht sofort antworten oder eine Mail erst eine Stunde später lesen. Doch unser Gegenüber wird sich das Verhalten, des ständigen Handy-Starrens auf jeden Fall merken.

 

In diesem Sinne: Eine schöne Herbstzeit von mir!

Hannes