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WLAN-Verbot in Berlin?

 

Als ich letzte Woche durch die Lychener Straße in Berlin Prenzlauer Berg gegangen bin, ist mir eine Tafel aufgefallen, auf der folgendes stand:  

“Kein W-LAN bei uns. Wir möchten, dass unsere Gäste miteinander reden!”

Das war das erste Mal, dass ich so etwas gelesen habe. Ich bin dann ganz einfach in die Bar gegangen und habe mich mit den Mitarbeitern unterhalten und so den Kontakt zu dem Inhaber der Bar hergestellt, mit dem ich dann ein paar Minuten telefoniert habe. Er schilderte mir, wie sehr sich die Bar-Kultur in den letzten Jahren hier in “PrenzlBerg”, wie ihn die Berliner nennen, verändert hat und dass WLAN/ Handys/ Laptops ihren Beitrag dazu geleistet haben. Natürlich nicht im positiven Sinne.

 

Warum?

Ich muss dazu sagen, dass ich gerne in Bars und Restaurants arbeite, umso nicht den ganzen Tag in meinem Büro zu Hause zu sitzen und mich von der Bevölkerung isoliert fühle. Deshalb war genau diese Bar ein Grund für mich, mich näher mit dem Thema zu beschäftigen und den Inhaber zu befragen. Nachdem ich ihn mit einigen kritischen Fragen konfrontiert habe, hat er nach und nach durchblicken lassen, dass es nicht das eigentliche Problem sei, dass so viele Leute von ihrem Laptop aus arbeiten und darauf angewiesen sind, eine funktionierende WLAN Verbindung zur Verfügung zu haben. Es sind ihm eher die Kunden ein Dorn im Auge, die als Gruppe in seine Bar kommen, sich einen Drink bestellen und anschließend in die Welt der Handys eintauchen und erst wieder aus ihr erwachen, wenn die Rechnung auf dem Tisch liegt.

Es ist einfach pure “Zeitverschwendung” ! Man geht mit seinen Freunden gemeinsam in eine Bar, will ein paar Stunden miteinander verbringen, in denen man sich unterhält und austauscht. Doch dieses “Austauschen” ist bei vielen komplett verloren gegangen. Man sitzt sich gegenüber und muss seine Freunde darauf aufmerksam machen, dass sie mir zuhören und nicht Bilder auf Instagram posten oder Beiträge auf Facebook liken sollen.

 

Zu kritisch?

Die Frage werden sich jetzt einige stellen, ob ich vielleicht zu kleinlich an die Thematik herangehe. Aber von meiner Seite aus, ist Zeit, die man miteinander verbringt, nicht nur eine körperliche Anwesenheitspflicht, sondern auch eine mentale. Ansonsten könnten wir uns auch mit einem Kissen neben uns unterhalten, dem wir vorher einen Namen gegeben haben.

 

War das Einzelfall?

Nachdem mir die Frage keine Ruhe gelassen hat, bin ich ganz bewusst durch den “Prenzlberg” gegangen und dabei sind mir noch mindestens 2 andere Bars aufgefallen, die ähnliche Formulierungen vor Ihren Lokalen angebracht hatten. Ich habe noch an demselben Abend mit Freunden telefoniert, die die von mir beschriebene Situation bestätigt haben. Natürlich haben sie das. Denn um ehrlich zu sein, war ich die ganze Zeit zuvor blind. Denn, dass Handys unser Straßenbild zieren, ist längst zur Gewohnheit geworden, sodass die Meisten es nicht (mehr) als negativ registrieren.

Nehmt euch eine Minute in einer beliebigen Bar und beobachtet andere Gruppen. Falls ihr nach dieser Minute ähnliche Eindrücke wie ich gewonnen habt, dann hinterlasst gerne ein Kommentar und beschreibt eure Erfahrung.

 

Viele Grüße
Wolfgang vom TelefonZellen Team